Bist du ein Tangotalent oder was?


schöner Artikel:

http://verastangoblog.blogspot.de/2015/03/bist-du-ein-tangotalent-oder-was.html

Die Moulinette (Giro, Drehung)


exzellent beschrieben hier:

http://verastangoblog.blogspot.de/2015/03/drehen-bis-zum-durchdrehen.html

In Praxi kennengelernt bei Nury Dominquez (LieBERTANGO).

Ein Tango Nuevo aus Neukölln


„Borroka Dezagun“ ist der Name eines älteren Stückes von mir, das allerdings kein Tango ist und mit 80 bpm ein ausgesprochen langsames Stück. Da mir aber Melodie und Harmonien des Stückes so gut gefallen, habe ich es in einen Tango umgewandelt. Ich weiß, es ist kein „klassischer“ Tango, es fehlt ein Mittelteil mit Tonartwechsel usw. War mir aber egal, denn für mich ist Tango kein verbindliches Regelwerk, an das ich mich zu halten habe, sondern eine Inspirationsquelle. Im Fall von „Borroka Dezagun“ reizte es mich, ein einziges Hauptthema immer wieder zu variieren. Dabei habe ich auch sehr darauf geachtet, das Stück tanzbar zu halten.
Auf die aufwändige Erstellung eines an Takt und Rhythmus an die Musik angepassten Videos mit Tanz-Szenen habe ich diesmal verzichtet und mich mit einer Kollektion von Visuals begnügt. (Es ist für mich nicht einzusehen, dass ich für ein solches Video mit zurecht geschnittenen Szenen mehrfach so viel Zeit brauche wie zum Komponieren und Arrangieren der Musik.)

Sandra (mal ausnahmsweise nicht über Tango)


Seltsamerweise habe ich mich im Rahmen meiner Wiederzuwendung zum Tango die Sängerin Sandra wiederentdeckt.
Ich war in jenen Jahren, als sie zum Schlagerstar wurde (das war 1985-90) nämlich ein Fan von ihr, aber eher heimlich. Schließlich gehörten die Hits, die sie landete, in weitesten Sinne zur unter gesellschaftskritischen Menschen verpönten Kategorie „Discomusik“, die sowohl ich als auch meine damalige Umgebung ganz allgemein  nicht mochten.

Aber diese Sandra hatte es mir irgendwie angetan. Ich war fasziniert von ihr. Sie zog mich geradezu in ihren Bann. Aber es war mir auch irgendwie peinlich.

Eigentlich waren das relativ glückliche Jahre für mich persönlich. Ich war sogar glücklich verheiratet damals. Und eigentlich hörte ich damals ganz andere Musik.

Aber diese Sandra… Ihr Gesicht, ihre Lieder gingen mir nicht aus dem Kopf.

Ja, was war es, was mich an ihr so anzog? Die Musik? Die Texte, die ich nur ungefähr verstand? Ihr markantes und unverkennbares Gesicht? Ihre Frisur? Ihre Mimik?

Ehrlich gesagt, ich fand (im Sinne von wirklich nur Fühlen) diese Frau geradezu unwiderstehlich erotisch (und wie gesagt, für mich persönlich waren es eigentlich durchaus glückliche Jahre).

Eine Frau aus meiner Umgebung meinte mal, als ich ihr das eingestanden hatte: „Versteh ich nicht? Was ist denn an der? Die sieht doch aus wie eine Kassiererin beim Pfannkuch?“ (Pfannkuch = eine damalige Supermarktkette wie Edeka etc.) Oder es kam auch vor, sie mit einer Friseuse zu assoziieren. Schnippel, schnippel.

Ja, das stimmte schon irgendwie. Aber vielleicht war es ja gerade das?

Faszinierend war jedenfalls die Inbrunst, mit der sie gerade ihre frühen Texte gesungen hat. Gerade auch „Maria Magdalena“ hat es als Text faustdick in sich. Der greifbare und doch unerreichbare Vamp. Die die zu haben aber nicht zu erobern ist.

„You take my love
You want my soul
I would be crazy to share your life

Why can’t you see what I am….“

Der Text ist übrigens hier zu finden. Durch den Tango habe ich gelernt, auf die Gefühlsinhalte einer Musik zu schauen, auf die Emotionen, die angesprochen und geweckt werden. Von dieser Musik sich berauschen zu lassen geht nur, wenn man das Denken wenigstens eine Weile abschaltet. Oder es nur dann einschaltet, wenn man es sich auch zugesteht, sich davon berauschen zu lassen.

Es kann gut sein, dass Sandra mit ihren Liedern die Sehnsüchte der kleinen Kassiererinnen vom Pfannkuch angesprochen hat, und die der Männer natürlich, die in eine solche verliebt haben. Oder in die Friseuse.

Und das hat Sandra wirklich wundervoll gemacht, finde ich, und in der Rückschau wird es mir auch deutlich. Und natürlich schäme ich mich auch heute nicht mehr meiner Verehrung für diese Frau. Mir ist klar, dass Sandra die Verkörperung von Sehnsüchten war, Sehnsüchten vieler Menschen, die sich heimlich wünschten, selbst Sandra oder Sandras Liebhaber sein zu können. Das zu sein ist wirklich eine enorme Leistung.

Aber für verkopfte Linke war und ist diese Ebene oft kaum wahrnehmbar. Die der Sehnsüchte der „kleinen Leute“, die Sehnsucht nach dem „kleinen Glück“.

Erstaunlicherweise hat Sandra in Deutschland nicht so wirklich Anklang gefunden (zumindest kam sie in Deutschland erst sehr spät, als Reaktion aufs Ausland, in die Hitliste). Um so mehr aber, wie ich erstaunt lese und auf youtube höre, war sie in Japan sehr erfolgreich und ist es bis heute – in Russland.

Ja, damit komme ich mit meiner Laudatio für diese aus meiner Sicht durchaus bemerkenswerten Frau zum Ende. Die Kassiererin vom Pfannkuch als Superstar, das ist es doch. Das hat was. Abgefahren, finde ich.

Noch einige Videos, falls sich die jemand anschauen mag.


 

„Maria Magdalena“ war ihr erster Hit. Der Text gibt durchaus Rätsel auf und eröffnet einen Interpretationsraum. Ist die Sandra, die da singt (das lyrische Ich also), ein Vamp oder eher eine Prostituierte (wird beides gemutmaßt)? Beides ist vorstellbar, nur eines ist klar, die da singt, wird niemals „Maria Magdalena“ sein. Um diese biblische Gestalt ranken sich Mythen. Eine davon ist, dass Maria Magdalena eine Prostituierte gewesen sei, der Jesus vergeben hatte und die von dortan nicht mehr sündigte. (Andere Interpretationen wollen in Maria Magdalena gar Jesus Geliebte sehen).

Nein, singt da mit Überzeugungskraft Sandra, „ich werde niemals Maria Magdalena sein“ und „versprich mir Vergnügen!“. Donnerwetter! Lesen Sie mal den Text, das ist wirklich interessant. Was will uns das sagen? Etwa dass sie weiterhin „sündigen“ wird? (Oh bitte ja!)

Ich bin mehr denn je begeistert von dem Hit, der es faustdick hinter den Ohren hat Charles Fourier sei Dank (der mir die Augen für diese Ebenen des menschlichen Lebens öffnete). Wie verstehen Sie ihn?


Das haute rein: „In the heat of the night I loose control“ – Wer wünscht sich das nicht?


„I need love“ war noch so ein Knaller. Hier der nicht sehr umfangreiche Text. „Schrei nach Liebe“. Trivial? Sicherlich. Im eigentlichen Sinn des Wortes „trivial“!

„Als trivial (lat. trivialis „gewöhnlich“) gilt ein Umstand, der als naheliegend, für jedermann leicht ersichtlich oder erfassbar angesehen wird.“ (wikipedia)

Um nachdenken geht es bei diesem Song wahrlich nicht, es geht ums Fühlen, und wer auf die eine oder andere Weise dem lyrischen Ich (oder dem eines Verehrers einer solchen) dem nachfühlen kann, kann sich der Faszination nicht entziehen. Die Musik und das Arrangement der Stimme durchaus gekonnt und alles andere als nur „disco-mässig“, durchaus explizite Elemente von Trancemusik (wie später bei House und Techno).

(Trivial? Very well. Seis drum. Sandra forever)


Und sie hat es wirklich immer noch drauf 2009 in Russland (die Russen spüren, was gut ist):

Sandra – Maria Magdalena Live Discoteka 80 Moscow 2013 FullHD


Übrigens: im Album MCMXC a.D. von Enigma war Sandra die weibliche Leadstimme.

Mache doch wieder weiter…


Nach einer Phase des „Nase-voll-habens“ habe nunmehr doch beschlossen, trotz diverser Hindernisse mit dem Tango weiter zu machen.

War das zu erwarten? Hm…

Nun, wenn mich das ganze nicht auch noch vom kulturhistorischen und musikalischen Aspekt her nicht so interessieren würde, wäre die Frustrationsschwelle noch niedriger.

Jedenfalls habe ich sie, trotz Schichtarbeit, wieder einmal überwunden. Schließlich hatte ich mir auch für rund 160 Euronen Tango-Schuhe gekauft (nachdem ich mit schönen schweren schwarzen Schuhen einige Male einigen Damen auf die Füsse getreten war). Ist schon eine Investition. Sollen die Tango-Schuhe jetzt einfach irgendwo verstauben. Nö, die Inestition muss sich schon lohnen. Für 160 Euronen Schuhe kaufe ich mir ansonsten definitiv nicht.

Ja, so blöd das klingt, das war EIN Argument für die Wiederaufnahme des Tango.

Dann habe ich mir, was Milongas anbetrifft, eine ganz simple Regel auferlegt.

Und die geht so: eine Milonga, die mich beginnt zu langweilen, verlasse ich sofort und ohne Reue.

Das hat sich bewährt. Klar besteht die Gefahr, durch diese harte Regel die eine oder andere potentielle Gelegenheit für einen schönen Tanz zu verpassen. Dafür reduzieren sich aber die Frustrations-Situationen signifikant und sehr effizient.

Bis bald wieder mal.

 

Bis auf weiteres kein Tango mehr…


Ich hatte angefangen, als Führender Tango zu lernen, und zwar sehr sehr ernsthaft mit bis zu 3 Terminen pro Woche. Aber nachdem ich in 50% der Zeit solcher Kurse mit zugucken statt trainieren verbringen musste, habe ich nunmehr die Nase voll. Randvoll. Das macht keinen Spaß. Mir ist klar, daß Führen 10mal so schwierig ist wie Folgen. Ich weiß das, nachdem ich das Vergnügen hatte, drei Mal mit führenden Frauen zu tanzen (Hut ab vor den Damen!). Ich habe auch kein Problem damit, das ernsthaft zu trainieren, schließlich habe ich auch fast 20 Jahre Kampfsport trainiert. Aber in Tanzstunden blöd rumstehen und anderen zuzuschauen ist auf die Dauer stinklangweilig. Ich habe auch kein Problem damit, mit Männern zu trainieren. Aber in 50% der Zeit der Tanzstunden blöd rumzustehen, das ist zu teuer für das Geld, egal wie gut die Tanzlehrer sind. Ich bin Schichtarbeiter und habe leider keinen wirklich regelmässigen Wochentermin. Nun, dann soll es wohl nicht sein. Von daher lasse ich es einfach mal wieder sein, meine durchaus sehr hohe Motivation ist nunmehr zu 100 % verbraucht. Dabei hatte ich sogar auch angefangen, selbst Tangos zu komponieren. Nun gut, das werde ich nicht sein lassen, denn das ist nicht dauerhaft frustrierend. Das wollte ich nur malkundgetan haben. Meinen Blog https://bailaeltango.wordpress.com lasse ich daher bis auf weiteres ruhen und verbringe meine Freizeit mit sinnvolleren und erfüllenderen Dingen.

Trainings-Tanzparterinnen für April gesucht! In Berlin.


Suche (bevorzugt) Folgende für folgende Termine im Monat April. Da ich Schichtarbeiter in der IT-Branche mit einem leider unregelmässigen und öfter mal wechselnden Schichtplan bin und keine 10 Jahre warten will, bis ich ein für Tangueras akzeptabler Tanguero bin, suche ich möglichst viele Trainings-Tanzpartnerinnen, mit denen ich mich flexibel zu möglichst vielen Tanz-Kursen verabreden kann. Folgendermaßen sieht meine Terminplanung für den Rest des April aus:

Wo?

http://www.art13tango.de/

Wann?

Freitag 11.4.2014
19:15-20:30 Einsteiger
21:00 – 22:00 Praktika
22:00-1:00 Tangonacht für Einsteiger
(schon verabredet…)

Freitag 18.4.2014
19:15-20:30 Einsteiger
21:00 – 22:00 Praktika
22:00-1:00 Tangonacht für Einsteiger

Freitag 25.4.2014
19:15-20:30 Einsteiger
(Praktika & Tangonacht für Einsteiger geht nicht wegen Nachtschicht)

Wo?

http://www.tangotanzenmachtschoen.de/de/aktuelles-programm

Wann?

Mittwoch 09.4.2014
21:00 – 22:15 Tango Einsteiger
(obsolet)

Donnerstag 10.4.2014
18:00 – 19:15 Tango Einsteiger
(obsolet; das Risiko, überzähliger Mann zu sein, gehe ich nicht mehr ein)

Montag 14.4.2014
21:00 – 22:15 Tango Einsteiger

Dienstag 15.4.2014
18:00 – 19:15 Tango Einsteiger
(schon verabredet)

Mittwoch 16.4.2014
21:00 – 22:15 Tango Einsteiger

Donnerstag 17.4.2014
18:00 – 19:15 Tango Einsteiger

Montag 21.4.2014
21:00 – 22:15 Tango Einsteiger

Dienstag 22.4.2014
18:00 – 19:15 Tango Einsteiger

Donnerstag 24.4.2014
18:00 – 19:15 Tango Einsteiger

Montag 28.4.2014
21:00 – 22:15 Tango Einsteiger

Dienstag 29.4.2014
18:00 – 19:15 Tango Einsteiger

Nachbemerkungen:
Da ich Single bin und bis auf weiteres auch zu bleiben gedenke, habe ich leider auch keine feste Trainingspartnerin. Von daher war es bisher immer ein Glücksspiel, zu einem Tanzkurs zu gehen, wenn die Chancen, dass die Kopfzahl gerade ist, 50:50 steht.
Ein Tanzkurs mit ungerader Kopfzahl ist für mich ohne Partnerin oder Partner leider verlorene Zeit, da ich dann das wesentliche am Tango, den „tonischen Dialog“ eben nicht sinnvoll trainieren kann.
Das geht nur mit lebendigen Menschen (das können durchaus auch Männer sein), aber nicht mit einer Schaufensterpuppe und solo erst recht nicht.
Deswegen habe ich auch Tanzkurse schon vorzeitig verlassen.
Dieses Risiko will ich für mich schlicht und einfach minimieren, auch wenn ich – aus der Sicht der Tanzschule – verstehen kann, dass eine solche Situation einfach immer wieder mal vorkommt.
Die Tanzlehrer bemühen sich sicherlich, in solchen Fällen oft wechseln zu lassen, was sinnvoll ist. Ich glaube aber, dass es einfach sinnvoll ist, wenn ich eine Trainingspartnerin mitbringe, zumal zumindest bei Tangotanzenmachtschoen.de auf ein Ticket immer auch Paare trainieren können.
Auch als Anfänger habe ich mich schon auf richtige Milongas getraut und fleißig aufgefordert, stelle aber immer wieder fest, dass die Folgenden auch ziemlich unterschiedlich in der Wahrnehmung sind. Ich bekam Feedbacks von „Ich spüre nichts“ bis hin zu „Für einen Anfänger bist du aber ziemlich deutlich und wirkst sehr selbstsicher“. Ich war aber jedesmal der Gleiche. Nun, es scheint so zu sein, dass die Folgenden auf einen jeweils bestimmten Typ Tanguero „geeicht“ sind. Nun, mir wäre es auch lieber, mit manchen Tanzparterinnen einfach immer wieder zu lernen und zu tanzen, um sich gemeinsam weiterzuentwickeln.
Ich folge übrigens auch gerne. Ich bin einige wenige Male schon von Frauen (die führen konnten) geführt worden und lernte jedes Mal eine ganze Menge – über das Führen!
Warum ich mich selbst zum führenden Mann ausbilden möchte liegt einfach daran, dass bestimmt 90 % aller Tangueras lieber folgen möchten (was ich sehr gut verstehen und nachvollziehen kann) und deswegen führende (führungs-fähige) Frauen (leider) so selten sind wie Paradiesvögel auf den Dächern Berlins.
Natürlich erhoffe ich mir von den von mir angestrebten Tanzpartnerschaften auch inspirierende und interessante Kontakte, mit einem Wort: Kommunikation.

Kontakt

Wie Kontakt mir mir aufnehmen?
a.) mail-an-nemetico[at]gmx.net
(Ich hoffe, es ist klar, dass für das „[at]“ ein „@“ zu verwenden ist, die Schreibweise ist nur wegen der vielen unsichtbaren Robots, die auf E-Mail-Adressenjagd für Spammails unterwegs sind)
b.) über meinen Facebook-Account
https://www.facebook.com/pedro.kreye
Einfach facebook-Freundschaft mit mir schließen und schon haben wir eine schnelle Kommunikationsmöglichkeit.

Tango der Leichtigkeit (Tango Nr. 2)


Hier nun der zweite von mir komponierte Tango, entstand vor etlichen Wochen und dann tagelang überarbeitet. Die musikalische Struktur ist dem ersten durchaus ähnlich.
Jemand bezeichnete meinen ersten Tango als ein „Tango-Mantra“. Das dürfte auch auf den zweiten hier zutreffen. Die Struktur ist relativ stringent.
Aber im Unterschied zum ersten hat dieser Tango eine A-B-A Struktur. Scheinbar gibt es einen Mittelteil in einer anderen Tonart. Die Tonart (der Modus) ist allerdings durchgehend e-phrygisch, aber die Rhythmen und die Stimmungen beider Teile unterscheiden sich, so dass es sich fast wie ein (tango-typischer) Tonartwechsel anhört.
Beide Teile bestehen aus Segmenten. Im Teil A handelt es sich um Segmente von je 20 Takte, im Teil B um Segmente von je 12 Takten, mit jeweils unterschiedlicher tonaler und auch rhythmischer Struktur.
Natürlich ist auch dieser Tango so komponiert, dass er tanzbar ist, Klavier und E-Gitarre sind dabei die tragenden Linien.
Heraus gekommen ist ein Tango, der mich selbst hinsichtlich seiner fast schwebenden Leichtigkeit überraschte, von der Stimmung her fast wie ein Bossa Nova. Deswegen habe ich ihn „Tango der Leichtigkeit“ genannt. Verantwortlich für diese Leichtigkeit ist wohl die Klavierspur.
Weit entfernt von der teilweise depressiven Stimmung in Musik und Text der klassischen Tango, sicher. Aber diese Depression nehmen die meisten Tangueros und Tangueras ohnehin nicht wahr, habe ich beobachtet.
Aber ich bin derzeit eben auch nicht depressiv drauf und warum sollte ich dann depressiv komponieren?
Was? Ein heiterer von Leichtigkeit durchdrungender Tango? Gibts so was überhaut?
Nun, ich meine schon, dieser Tango ist eben so.
Was den Film dazu anbetrifft, so bin ich besser geworden, glaube ich, aber noch nicht zufrieden. Ich brauche noch mehr Material, aus dem ich dann Filme komponieren kann, mit Tanzszenen (abgestimmt auf den Takt und den Rhytmus der Musik) zu je 22 sec. 22sec entsprechen in dem Stück 12 Takten, so habe ich das angepasst.

Tango Nr.1 vom Tut- und Blasorchester Maimont


Musik mache ich schon länger, das heißt ich komponiere und arrangiere, und zwar am Computer mit entsprechenden Programmen. Da ich dort eine Menge verschiedener Instrumente zur Verfügung habe (Synthesizer und Sampler) muss ich mich nicht auf meine äusserst bescheidenen Fähigkeiten auf Klavier und Klampfe beschränken, sondern habe, wenn es sein muss, ganze Orchester zur Verfügung.
„Tut- und Blasorchester Maimont“ ist das Label, unter dem ich – vorerst allein – die von mir komponierten, arragierten und produzierten Musikstücke präsentiere.
Das sind schon eine ganze Menge, etwa 500, aber die meisten liegen nur auf meinen Festplatten. Einige habe ich aber auch schon als Untermalung für Youtube-Videos verwendet. Das kann man sich auf meinem Youtube-Kanal anschauen und anhören.
An Tango wage ich mich erst dieses Jahr heran, und zwar sowohl musikalisch als auch tänzerisch.
Kurz gesagt, ich präsentiere hier mal meinen „Tango Nr.1“. Das ist der Name. Für spätere Machwerke denke ich mir klangvollere Namen aus.
Zunächst zur Musik. Mancher Tango-Kenner mag einwenden, das sei ja kein „richtiger Tango“, weil dies und das. Nun, ich habe mich genügend in die Geschichte des Tango reingelesen und auch reingehört, dass ich sagen kann, dass es gar nicht so einfach ist zu definieren, was ein „richtiger Tango“ ist oder sein soll. Sind es die „Jammergesänge verschmähter Männer“, auf deren Text ohnehin niemand beim Schwofen hört? Oder sind es die rhytmischen Muster zwischen Habanera, Anderthalbtönen und betonten letzten Sechszehntel? Ist es der Tonartwechsel in der Mitte und die typische thematische ABA-Struktur? Ist es die Instrumentierung? Wenn ja, was wäre dann typisch? Das Bandoneon? Darfs in Ermangelung eins echten Bandoneons auch ein Akkordeon sein? Das Fehlen von Schlagzeug und Perkussion? Die Violine oder der Kontrabass? Darf eine E-Gitarre dabei sein oder nicht? Und wie ist es mit für den „Elektrotango“ typischen akustischen Effekten von Delay über Chorus, Flanger bis zu Dub?
Mag sich drum streiten, wer will.
Für mich ist das hier da unten ein Tango, und zwar mein Tango Nr.1. Der erste Tango also.
Ich habe ja gar nicht den Ehrgeiz, einen „echten, richtigen“ Tango in irgendjemandems Sinne zu produzieren. Es ist eben etwas „eigen-williges“, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich fühle mich stark angezogen von zahlreichen Aspekten dieses Phänomens Tango und dem gebe ich eben musikalisch Ausdruck. Das Stück ist ja nun etwas über einen Monat alt und ich habe viel dran rumgefeilt, bis es mir selbst gefallen hat. Und so wie es jetzt ist, gefällt es mir.
Ich habe meine bevorzugte Tonart e-phrygisch verwendet. Für Musikpuristen: ja, ich weiß, man sagt Modus dazu und nicht Tonart. Aber für mich ist es eine Tonart, und zwar eine von denen, mit denen ich vertraut bin. Ein Tonartwechsel in der Mitte kommt hier (noch) nicht vor. Für mich war es erst einmal wichtiger, mich auf die rhythmische Struktur zu konzentrieren. Sie wird im wesentlichen vom Bass getragen. An dem Rhythmus des Bass setzen die Rhythmen der anderen Instrumente an. Gut hörbar und eingängig aber sollte der Rhythmus der Klavierlinie sein und das scheint mir auch gelungen.
Die durchaus etwas harten E-Gitarren noch dazu sollen den tanzbaren Charakter des Stücks durch zusätzliche akzentuierte Rhythmen verstärken.
Statt eines Bandoneons habe ich ein Akkordeon verwendet. Musste lange herumexperimentieren, bis es sich nach was anhörte. Außerdem habe ich mir erlaubt, vereinzelt die von mir geliebten Trompeten einzusetzen und natürlich musste abschnittsweise auch ein Space Pad rein.
Ich war selbst erstaunt, als das Stück fertig war.
Es war nicht so geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern irgendwie eher umgekehrt.
Es entwickelte sich gewissermaßen selbst unter meinen Händen. Es war faszinierend. Ich weiß nicht, ob ich dieses Gefühl rüberbringen kann. Jedenfalls waren es unbeschreiblich glückliche Momente, die ich immer wieder habe, wenn ich Musik mache und sie mir selbst so sehr gefällt, dass ich sage: „Das ist es! Genau das!“
Und selbst wenn dieser Tango nur mir auf der ganzen Welt gefiele, so würde ich ihn dennoch lieben.
Er ist wie er ist.
Ich war selbst, als er fertig war, überrascht davon, wie optimistisch er ausgefallen ist. Sind doch Tangos klassischerweise von Traurigkeit und Schwermut durchdrungen und „Klagegesänge“ schmachtender Männer und das Schmachten geniessender Frau (wovon die Tanzenden allerdings gewöhnlich wenig mitkriegen). Ich habe selbst darüber nachgegrübelt. Warum nur ist das Ding nicht traurig und schwermütig ausgefallen (solche Stücke habe ich auch schon gemacht, aber keine Tangos). Vom akzentuierten Rhythmus her ist es doch eindeutig ein Tango, aber warum ist er dann nicht traurig ausgefallen? Ich weiß es nicht. Liegt es vielleicht an dieser exotischen Tonart e-phrygisch?
Ich habe nicht so viel Ahnung von Musiktheorie, aber wenn ich was trauriges komponieren will, dann nehme ich lieber ein moll, c-moll beispielsweise.
Zum Video muss ich sagen, dass es mich nicht zufriedenstellt (trotz vieler schön passender Szenen). Noch nicht. Ich hatte einen Haufen Arbeit damit. Frühere Musikvideos habe ich entweder mit Standbildern oder mit Visuals unterlegt. Aber ich selbst schaue mir auch nicht gern solche Videos von anderen an. Zu einem Musikvideo gehört einfach auch ein passender Film. Da muss sich was bewegen. Und zu einem Musikstück, das ich selbst liebe, musste ich einfach auch einen bewegten Film machen.
Ein Hauptteil der Arbeit bestand darin, bewegte Bilder mit dem Takt und dem Rhythmus der Musik zu synchronisieren. Das war gar nicht so einfach. Ich extrahierte aus verschiedenen Filmen, die irgendetwas mit Tango zu tun haben, Einzelbilder heraus, nicht etwa 10 oder 100, sondern 100000e, ordnete sie neu zu Sequenzen und nahm auch entsprechend Massenbearbeitung von Bildern vor (z.B. Zuschneiden, Farbeffekte, usw.). Zufrieden bin ich mit dem Ergebnis noch nicht. Ich muss lernen, aus diesen 100000en Bildern rationell handhabbare Einheiten (konkret aus animierten Gifs) zu bauen mit definierter Länge, die sich dann zu komplexeren Gebilden zusammensetzen kann, so daß sich ein berauschender Muskfilm synchron zur Musik daraus entwickelt.
Dazu braucht es aber gewissermassen Baumaterial. Eine Sequenz von 22 sec hat 440 Einzelbilder. Diese Sequenzen muss ich erstellen und zu Bibliotheken ordnen, so dass ich mich wie aus einem Baukasten daraus bedienen kann, um komplexere Filme zusammenzustellen. Selbstredend, dass die bewegten Bilder mit dem Takt und dem Rhythmus der Musik synchronisiert werden muss, was mir manchmal mehr und manchmal weniger gelingt.
Wie gesagt, da muss ich noch lernen, mir sind in diesem Video nun doch einige Szenenwechsel zu plötzlich und zu abrupt. Das nächste Video wird besser.
Nachdem ich nun so viel gequatscht habe, wer sich das Ergebnis anschauen und anhören will, hier ist es.
Tango Nr. 1 vom Tut- und Blasorchester Maimont:

Führen und Folgen


Tango hat eine durchaus philosophisch zu nennende Tiefe was das Thema Führen – Folgen angeht. „Führen“ hat im deutschen Sprachgebrauch durchaus einen negativen Beiklang. Wer assoziiert damit nicht gleich den „Führer“ und was alles damit konnotiert ist?
„Keine Macht für Niemand!“
Nun, Tango kann so nicht funktionieren.
Der „tonische Dialog“ des Tango erfordert, dass klar ist, wer führt und wer geführt wird.
Gewiß, traditionell ist im Tango die Rolle des Führenden durch den Mann besetzt. Verstirnte Menschen, vor allem wenn sie sich „links“ wähnen, sehen darin ei Ausdruck patriarchaler „Herrschaftsverhältnisse“.
Doch die Rolle des Führenden ist keineswegs auf den Mann festgelegt. Es gibt auch Tango – Tänzerinnen, die führen. Ich hatte die Ehre, eine solche kennenzulernen und mit ihr zu tanzen.
Sie tanzte gewissermaßen mich durch den Tanzsaal und ich kann nur sagen, dass es eine wundervolle Erfahrung war.
Die Rolle des Führenden ist also nicht geschlechtlich fixiert. Aber eine Seite muss die führende sein. Sonst geht es einfach nicht, denn sonst – kann man sich schon vorstellen – ist es nur eine Rempelei, die niemandem Spaß machen kann.
Allerdings muss die Führung auch sonst nicht fixiert sein, sie kann auch wechseln. Führender und Geführter können beide Tanzpartner abwechselnd sein.
Auf diesem Video, wo zwei Männer (sie sind Brüder) miteinander Tango tanzen. Sehenswert.

Die beiden wechseln sich ständig in der Führung ab.
Ist es klar ersichtlich, wie der Führungswechsel von statten geht? Es ist die Veränderung der Armhaltung. Der Führende hat die offene Seite links und der Geführte rechts. Der Körper des Partners umfasst der Führende mit rechts, der Geführte mit links.
Bei diesem Tanz oben gibt offenbar der jeweils Führende durch Armwechsel die Führung an den Geführten ab, und der übernimmt sie. Und es klappt wunderbar.
Was wir daraus lernen können: Gute und erfolgreiche Führung hat auch mit Einvernehmlichkeit zu tun. Eine gute Führung kann nur eine sein, der der Geführte (aus welchen Gründen auch immer) gern und bereitwillig folgt. Und diese Rollen sind beliebig austauschbar, wenn die Einvernehmlichkeit zwischen beiden Seiten gegeben ist. Und das ist bei den beiden Tänzern offenkundig der Fall.